Irgendwo in Südfrankreich
FÜR ANDREAS W.
Willst Du mit mir gehen,
sagtest Du zu mir.
Und die halbe Klasse
stand um uns herum,
gebannt wartend
auf meine Antwort.
Nein,
sagte ich,
zu feige zuzugeben,
daß ich verschossen,
verliebt und verknallt war
in Dich.
Die ersten Schmetterlinge
in meinem Bauch,
Du warst der Eine,
der sie weckte.
Doch gewußt
hast Du es nie,
weil ich zu feige war.
Und ich rechne nach,
wie lang ist das
nun schon her?
Dreizehn Jahre,
oder sind es schon
vierzehn Jahre?
Doch Dein Gesicht
seh ich noch immer vor mir,
Dein süßes Lächeln,
niedlich fand ich Dich,
richtig knuddelig.
Und heute
stand ich plötzlich
vor Deinem Grab.
Gefühle
in Worte verpacken,
Geschichten schreiben
über das Jenseits,
so wie ich es gern hätte.
Das ist meine Art,
mit der Gleichgültigkeit Gottes
(wenn es ihn gibt)
zurechtzukommen.
Es funktioniert,
denn mit jedem Wort,
das ich schreibe,
radiere ich ein wenig
die Verzweiflung aus.
Und sie macht
den Gedanken Platz.
Den Gedanken darüber,
auf welcher Wolke,
auf welchem Stern
der Mensch wohl sitzen mag,
und die Zeilen liest,
die ich gerade
an ihn schreibe.
IRGENDWO IN SÜDFRANKREICH
Zirpende Zikaden,
zwitschernde Vögel,
und raschelnde Eidechsen am Tage.
Quakende Frösche,
unermüdliche Zikaden,
die unhörbaren Schreie und das Flattern
der Fledermäuse am Abend.
Und meine Phantasie nimmt meine Hand
und führt mich in eine Welt,
so weit weg,
und doch ganz nahe.
In eine Welt,
in der Elfen
Zikaden aus Porzellan kaufen,
in der Schutzengel
arme Waisenkinder besuchen,
in der ich mit Menschen spreche,
die längst gestorben sind,
in der fingergroße Gnome
kleinen Mädchen die Welt von unten zeigen,
in eine Welt,
in der Katzen bellen
und Vögel sprechen können,
in die Welt,
tief drin in mir,
dort,
wo von niemandem gesehen
meine Geschichten das Licht der Welt erblicken.
In die Welt der Phantasie.